Erste Grading Challenge in Europa

Veröffentlicht am 08.05.2018

Deutschland sucht die Super-Münze

Von Sebastian Wieschowski
Numismatischer Fachautor

Es ist wohl für jeden Sammler eine besondere Freude, wenn seine Schätze mit hohen Bewertungen von einem Einstufungsdienstleister zurückkommen. Doch in Gemeinschaft mit anderen Numismatikern macht das Warten auf die Ergebnisse und die Würdigung der erhaltenen Grades viel mehr Spaß - aus diesem Grund haben sich in diesem Jahr erstmals Nutzer einer Gruppe des sozialen Netzwerkes "Facebook" zusammengetan, um Münzen gemeinsam zur professionellen Einstufung bei NGC einzureichen und diese vor und nach dem Grading zu bestaunen und dokumentieren.

Rund 70 Münzen und Medaillen wurden zur ersten "Grading Challenge" eingereicht, darunter moderne Bullion-Silbermünzen, die erste 50-Euro-Goldmünze sowie diverse historische Prägungen aus dem Deutschen Kaiserreich. Mit dabei waren auch Münzen mit doppelter Dicke, die in einem "Double Thick"-Holder eingelegt wurden, sowie zwei chinesische Silbermünzen in Übergrößen. Zwei Einreichungen wurden einem sogenannten "Crossover"-Grading unterzogen, diese Münzen wurden also aus dem Slab eines anderen Grading-Dienstleisters entfernt und von NGC erneut bewertet.

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In den vergangenen Monaten hat sich im Internet eine stetig wachsende deutschsprachige Community gebildet, die sich gegenseitig mit Ratschlägen und Einschätzungen bei geplanten NGC-Einreichungen zur Seite steht. Das erst Anfang des Jahres gegründete "Grading Lab" in dem sozialen Netzwerk "Facebook" umfasst bereits über 220 Mitglieder - Tendenz steigend (www.facebook.com/groups/330851937353956). Im englischsprachigen Raum sind Grading-Foren und Sammeleinreichungen, welche mit Videos auf der Internetplattform "YouTube" begleitet werden, eine beliebte Möglichkeit für Münzensammler, rund um das "Third Party Grading" ins Gespräch zu kommen und gemeinsam die Ergebnisse zu erwarten.

Auch bei der ersten deutschsprachigen "Grading Challenge" war die Spannung groß und bereits wenige Tage, nachdem die Münzen im Büro der NGC GmbH, dem offiziellen Einreichungscenter von NGC in Europa in München eingetroffen waren, gab es reichlich Grund zur Freude: Insgesamt 17 mal vergaben die Grader die Spitzenbewertung von MS oder PF 70, bei 22 Münzen gab es ein Grading von MS oder PF 69 - und selbstverständlich wurden die Münzen der Kandidaten dieser Facebook-Aktion genau so streng bewertet wie jede andere Einreichung, denn die Grader erhalten grundsätzlich keine Informationen zur Herkunft der zu bewertenden Münzen und die Aktion wurde unabhängig von NGC in Eigeninitiative der Facebook-Mitglieder organisiert.

Unter den vielen interessanten Einreichungen moderner und historischer Münzen stachen einige Exemplare besonders hervor:

  • Ein 3-Mark-Stück aus Hessen aus dem Jahr 1910 in "Polierter Platte" wurde mit NGC PF 66 bewertet, (davon gibt es bis danhin weltweit nur ein Exemplar mit einer besseren Bewertung)
  • Bei zwei Exemplaren der 3-Mark-Münze aus Württemberg (1911 F) zur Silberhochzeit des Königspaares stellten die Grader von NGC die Varianten "Low Bar" beziehungsweise "High Bar" und den Unterschied zwischen einer Prägung in "Mint State" und "Proof" fest. Das Exemplar mit dem hochgestellten Buchstaben "H" wurde mit NGC MS 64 bewertet, die Variante mit einem tiefgestellten Strich im "H" erhielt die Bewertung NGC PF 64 Cameo.
  • Zwei Exemplare eines chinesischen Silber-Dollars aus der Chihli-Provinz aus dem Jahr 1898 wurden einer erneuten Bewertung (Crossover) unterzogen. Während beide Münzen bei einem anderen Grading-Dienstleister jeweils "Details"-Bewertungen erhalten haben, korrigierte NGC diese Bewertung und stellte Einstufungen von NGC AU 58 und NGC AU 55 fest. Während Exemplare dieser Münze mit Details-Grading für rund 1.000 Euro pro Stück gehandelt werden, erreichen die Preise für Stücke mit besserer AU-Bewertung bei Auktionen ein Niveau ab 3.000 Euro pro Stück.

Auffällig bei der ersten "Grading Challenge" war nicht nur das Interesse von Sammlern historischer deutscher Münzen, die mit Bewertungen zwischen MS61 und MS64 durchweg erfreuliche Ergebnisse erzielten. Als besonders erfolgreich stellten sich Münzen aus Osteuropa und Russland heraus - sie wurden fast ausnahmslos mit NGC PF 70 Ultra Cameo bewertet. Diese Grading-Ergebnisse dokumentieren nicht nur die hohe Qualität der eingereichten Münzen, sondern auch die gute Einschätzung der Facebook-Nutzer. Denn viele hatten zum ersten Mal ihre Münzen zur professionellen Münzeinstufung zu NGC eingereicht und viele Volltreffer gelandet.

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Um die vielen erfreulichen Grades zu würdigen, veranstalteten die Facebook-Mitglieder der Gruppe "Grading Lab" nach der Rückkehr ihrer Münzen aus München eine finale Abstimmung und verteilten ihre "Likes" für die Einreichungen von Sammlerfreunden. Und das Voting machte eindrucksvoll den Zeitgeist in der deutschsprachigen Numismatik deutlich: Die meisten Stimmen erhielt eine moderne Bullion-Silbermünze mit Schiffsmotiv in Spitzenbewertung, dicht gefolgt von einer chinesischen Gedenkmünze aus dem Jahr 1979 und der ersten 50-Euro-Goldmünze. Mit viel Lob wurden auch die Kandidaten bedacht, die es nicht auf die vorderen Plätze geschafft hatten, aber in ihren Einreichungskategorien fast ohne Ausnahme überdurchschnittlich abgeschnitten hatten. Eine besondere Wertschätzung wurde den historischen Silbermünzen aus dem Kaiserreich entgegen gebracht - hier waren sich alle Grading-Fans einig, dass die klassische Numismatik trotz des Bullion-Booms und der Jagd auf 70er-Bewertungen bei einer Grading-Einreichung nicht fehlen darf.

Sebastian Wieschowski arbeitet seit 2007 als Autor mit Fokus auf Münzen und Edelmetalle. Seine Artikel sind in Fachzeitschriften wie MünzenRevue, Coin World sowie dem Journal of East Asian Numismatics erschienen. Er ist Autor vom Bullion Buch sowie dem Schwarzbuch Münzfälschungen und Absolvent der Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft.

Dies ist ein Gastartikel. Die Gedanken und Meinungen in diesem Text spiegeln den Standpunkt des Autors wieder und müssen nicht zwangsläufig mit der Position der Certified Collectibles Group übereinstimmen.

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